KOPFGEBURTEN

Feindesland
Alles in Ordnung
Der Drache
Die Nibelungen
Mutter
Das Ende der Flucht
Liebe, Verachtung und Hass                             Lieder, die die Liebe verdient
Bergpredigt - unzensierte Originalfassung



Feindesland

Obwohl die Nacht klar und mild und der Mond voll war, lagen die Schatten der Büsche und Bäume schwarz und schwer auf den Hügeln und Senken der Wildnis und flüsterten von Grausamkeit und Tod. Unsägliche Angst quoll empor aus den dunklen Schächten unserer Herzen und ergoss sich über die Landschaft wie blutige Tränen. Wir waren allein. Zu dritt allein an dieser leerstehenden Mühle. Ohne Hoffnung. Ohne Ausweg. Nur mit der Gewissheit eines unbarmherzigen Todes.

Autor: Mario Ledermann
© Mario Ledermann 2004



Alles in Ordnung

Er stand in der dämmrigen Herrentoilette und blickte wie in Trance auf die blutver- schmierten Wände. Karges Licht fiel durch die urinfarbene Glasscheibe einer Tür und tauchte den Raum in eine Atmosphäre, die seiner Bestimmung entsprach. Er ahnte, dass etwas Schreckliches geschehen war. Etwas, das sich nun Sekunde um Sekunde zur quälenden Gewissheit verdichtete.
Eine Tür, die direkt ins Freie führte, stand offen, und als gäbe es keinen anderen Weg als diesen, lenkte er seine Schritte hinaus auf den spärlich beleuchteten Vorplatz. Da lag sie. Stück für Stück. Scheibe für Scheibe. Akkurat in einzelne Körperteile geordnet. Ohne Knochen. Ohne Innereien. Nur Fleisch und Haut. Rein, weich, rosig. Wie das blühende Leben.

Autor: Mario Ledermann
© Mario Ledermann 2004



Der Drache

Der Held Siegfried (Sonne),
aus dem Leben schied
(Saturn),
weil er zu gutgläubig war
(Jupiter)
und nicht sah, was hinter ihm geschah (Neptun).

Drum, wer einen Drachen erschlägt
(Saturn)
und nicht seine Wiedergeburt erwägt (Sonne)
den trifft der Drachenschwanz (Neptun)
und er verliert seinen Glanz (Jupiter)

Oder profan:

Das Licht
(Sonne),
das zu hell erstrahlt
(Jupiter),
blendet auch
(Neptun)
und wirft dunkle Schatten (Saturn).

Autor: Mario Ledermann
geschrieben am 15.05.2004 fĂĽr Mandragora
© Mario Ledermann 2004


Ein interessanter Link zum Thema Naturreligiosität:
www.rabenclan.de
Arbeitskreis fĂĽr Heiden in Deutschland e.V.


Die Nibelungen

Seit alter Zeit wird es besungen
im Heldenlied der Nibelungen,
dass einst ein Recke mit dem Schwert
im Drachenkampf den Ruhm gemehrt.

FĂĽr bare MĂĽnze wer dies nimmt,
der fragt sich kaum, was daran stimmt.
Der möchte sehen aus Fleisch und Blut
den starken Mann mit Heldenmut.

Doch hat er schon einmal bedacht,
was dieses Lied so wertvoll macht?
Es ist der Sinn, der sich erschlieĂźt,
wenn man nicht nur mit Ratio liest.

Das Schwert in Siegfrieds starker Hand
ist wie der schneidende Verstand,
der eindringt in das Element,
und Schein von echter Wahrheit trennt.

Mit diesem schneidenden Verstand
der Held den Drachen ĂĽberwandt
in einer Höhle namens Brust.
Ein mancher nennt sie „unbewusst“.

Wie leuchtend roter Lebenssaft
floss nach dem TodesstoĂź die Kraft
des Tieres in den Helden ein
und machte ihn so fest wie Stein.

Ja, des Tieres Körpersäfte
weckten Siegfrieds Zauberkräfte,
die so unverstellbar klingen,
dass die Zweifler Hände ringen.

Ăśberwindend die Natur
verstand er jede Kreatur.
Und drohte ihm einmal Gefahr,
dann machte er sich unsichtbar.

Sind Dir diese Werke nicht bekannt
aus dem fernen Morgenland?
Wenn nicht, dann lies statt Katechismen
Patanjalis Aphorismen.


Autor: Mario Ledermann
© Mario Ledermann 2006

Links zum Thema:
www.sungaya.de/schwarz/germanen/nibelungen.htm

CUM SAXUM SAXORUM


Mutter 

Eine Fotze hat mich einfach ausgeschissen,
hat mich nicht danach gefragt,
hat mich gewaschen, gewickelt, mir die Brust gegeben,
weiteren Körperkontakt versagt.

Hat mich abgestellt in einem Zimmer,
eingehĂĽllt in Angst und Dunkelheit,
gequält von Körperschmerzen und Dämonen,
hatte fĂĽr mich keine Zeit.

Suchte nach der Mutter Liebe,
die sie von ihr nie bekam,
durch Pflege hypochondrischer Probleme
dieser alten Frau voll Gram.

Pflegte sie von vorn bis hinten,
ohne Liebe, ohne Dank,
pflegte ihre alte Mutter,
pflegte meine Seele krank.

DĂĽrstend nach der Mutter Liebe,
nimmersatt wie ein GeschwĂĽr,
abgestellt im Kinderwagen,
starrte ich auf eine TĂĽr,

die geöffnet, mal geschlossen,
je nach Spalt breit Hoffung gab,
die sich selten mal erfĂĽllte.
Schweigend lag ich, wie im Grab.

Ach, was hätt’ ich bloß gegeben,
die TĂĽr vor mir zu kontrollieren.
Könnt’, wenn ich nach Liebe lechzte,
einfach so hindurch spazieren.

Doch die TĂĽr, sie blieb verschlossen,
und ihr Spalt, er neckte mich,
gab mir Hoffnung, nahm sie wieder.
Mutter, warum lässt du mich in Stich?

Warum hast du mir die StahltĂĽr
in mein Kinderbett gelegt
und mit ihrer kalten Schwere
ein hartes Los ins Herz geprägt?

Hast nicht gezeigt wie man sie öffnet,
auf meiner Seite fehlt der Griff.
Drum bleibe ich im Meer der Liebe
ein völlig steuerloses Schiff.

Zerschelle selbst bei warmer Strömung
an einem Berg aus lauter Eis,
bezahl’ für nicht empfangene Liebe
mit meiner Lebenskraft den Preis.

Sag, ist sie es wert gewesen,
wegen der ich frĂĽh verwaist,
sie, die dich nur schikanierte,
sich tot soff an Melissengeist?

War sie’s wert, dass du mein Glück,
meine Zukunft und mein Leben,
diesem nimmersatten Drachen
hast so leicht zum FraĂź gegeben?

Statt deine Bestie selbst zu töten
hast du sie genährt, gepflegt
und mir dein scheußlich böses Monster
mitsamt der Brut ins Nest gelegt.

Drum, Mutter, muss ich doppelt kämpfen,
und dieser Kampf heiĂźt Agonie.
Die Brut hat meinen Schatz gefressen
und das verzeihe ich dir nie.

Weil du einst mit ihr verbĂĽndet,
wirst du heut zu einem Tier,
das ich eiskalt töten muss,
Mutter, komm’, verzeihe mir.

Fahr zur Hölle und verrotte,
dich Monster werde ich nicht pflegen
und werde auch nicht bei dir sein,
wenn sie ins dunkle Grab dich legen.

Was die Brut gefressen hat,
als ich mit deinem Drachen rang,
lässt zu Staub und Asche werden,
was du mir gabst ein Leben lang.

Es bleibt mir nur, die Brut zu öffnen,
um zu finden, was ich verlor.
Wer weiĂź, ob es noch leben wird
und mich so anblickt wie zuvor?

Wenn nicht, dann weiĂź ich, dass mein Leben
mir nichts mehr Lebenswertes gibt
und sich mein Herz nach all den Jahren
zu Tode hat geliebt.

Nun sagt, ist es in Ordnung, 
wenn man die Mutter Fotze heiĂźt
und nach Jahrzehnten ihrer Liebe
auf ihren Sarg hernieder scheiĂźt?

Gewiss doch,
denn wenn das Leben schwindet
man ganz am Ende
seinen Anfang wieder findet.

Um diesen Kreislauf zu beenden
komme ich zu einem Schluss:
Ja, der Herr, er wird’s nicht richten,
weil man selber richten muss.

03. bis  09.08.2008
Autor: Mario Ledermann
© Mario Ledermann 2008





Das Ende der Flucht

Du, die du den Namen eines Drachentöters trägst:
Ist es wahr, dass du nach der Flucht einen Kampf erwägst?

Ist es wahr, dass du dich ihm stellst
und vielleicht damit die Finsternis erhellst?

An jenem Tag als der Drache erwacht,
öffnete sich ein dunkler Schacht,

der alles verschlang, was einmal war,
und hĂĽllte in Nebel was vorher so klar.

Der Drache wurde durch Gedanken gezeugt,
aus Angst geboren, durch Misstrauen gesäugt.

Im Handumdrehen hat er das Herz verspeis
und nagt seitdem an deinem Geist.

Was einst so nah, ist unendlich weit,
und erbarmungslos verrinnt die Zeit.

Doch wenn du dich zum Kampf entschlieĂźt,
gewinnst du die Kraft, die jetzt gegen dich flieĂźt.

Vielleicht bleibt trotzdem dein Schatz verloren,
doch vielleicht wird er daraus auch wiedergeboren.

18.08.2008
Autor: Mario Ledermann
© Mario Ledermann 2008





Liebe, Verachtung und Hass

Die Liebe ist eine launische und verlogene Schlampe, die – selbst wenn du ihr immer wieder vertraust - viel nimmt und fast nichts gibt. Ganz anders die Verachtung und der Hass. Sooft du sie auch zurĂĽckweist und sie vor die TĂĽr setzt, und sooft du auch die Liebe ihnen vorziehst - sie bleiben dir treu und geben dir reichlich, so viel du willst. Und das einzige, was sie dir nehmen könnten, ist das, was die Liebe dir sowieso vorenthält.  

20. 03.2009
Autor: Mario Ledermann
© Mario Ledermann 2009

Lieder, die die Liebe verdient






Auszug aus der Bergpredigt – unzensierte Originalfassung

Jesus:
„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da  ...“

Thomas:
„Aber Jesus, was redest du denn da? Das ist doch offensichtlich falsch!”

Jesus:
„Findest du?“

Thomas:
„Aber ja! Frag Maria und Josef! ... Haben sie dir nicht erzählt, wie sie sich in Bethlehem die Finger wund geklopft haben auf der Suche nach einer Herberge? Damals, als Maria mit dir schwanger war? Niemand hat ihnen geöffnet! Niemand! Dieses pränatale Erlebnis hätte sich doch in dein Gehirn eingraben müssen. Gerade bei dir!“

Jesus:
„Ja Gott man vergisst schnell ...”

Thomas:
„Dann hast du wohl auch vergessen, dass du den Händlern im Tempel nicht nur die Tür gewiesen hast, nein, du hast sie hinaus geprügelt! Von wegen ‚klopfet an’ ...“

Jesus:
„Na ja, da ist mir halt der Kragen geplatzt und ... und ... Und Ausnahmen bestätigen die Regel!”

Thomas:
„Ausnahmen? Was glaubst du, wie viele Herzen verschlossen blieben, obwohl ich mit einem Lächeln daran geklopft hatte? Ich kann sie nicht mehr zählen!“

Jesus:
„Okay, okay, jetzt lass uns keine Haare spalten und weitermachen, ja? ... Also ... Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in all seiner Pracht nicht gekleidet ...“

Thomas:
„Jesus!“

Jesus:
„ ... nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen ...“

Thomas:
„Jesus!”

Jesus:
„Ja Herr Gott, was ist denn jetzt schon wieder los?“

Thomas:
„Geh du mal ganz ohne Klamotten im Winter über’n Ku’damm. Da wirst du dir vielleicht keine Sorgen machen müssen, weil du Wunder vollbringen kannst, andere aber schon. Erstens wegen Erfrierens, zweitens wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.“

Jesus:
„Jaaaaa! ... Aber der Vergleich bezog sich doch auf das Aussehen, nicht auf die Schutzfunktion der Kleidung oder irgendwelche Sittenverstöße! ... Herrje, jetzt lass mich mal weiter machen! ... Also, wo war ich? ... Ach ja ... Seht die Vögel des Himmels: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und ...”

Thomas:
„NatĂĽrlich  tun sie das nicht! ... Weil sie klauen!“

Jesus:
„Wie? ... Was sagst du da?“

Thomas:
„Ja, sie klauen es! Wie die Raben! Sie klauen es von den Feldern der Bauern und verstoßen damit gegen das 7. Gebot: ‚Du sollst nicht stehlen!’ ... Und du stellst sie auch noch als leuchtendes Vorbild hin!“

Jesus:
„Du hast Recht, so hab ich das noch gar nicht gesehen ...”

Thomas:
„Ja, da siehste mal! ... Also wenn ich mir alles zusammenklauen würde, was sich andere im Schweiße ihres Angesichts erarbeitet haben, und wenn ich dazu noch Flügel hätte, damit ich jedem davonfliegen kann, dann müsste ich mir auch keine Sorgen machen.“

Jesus:
„Ey, weißt du was, Thomas? Es kotzt mich dermaßen an, dass du immer alles in Zweifel ziehen musst! Kannst du nicht einmal einfach nur sagen: ‚Mensch, Jesus, das hast du aber schön gesagt’?”

Thomas:
„Aber Herr! ... Du weißt doch, dass ich meine Hände gern in offene Wunden lege!“

20. 03.2009
Autor: Mario Ledermann
© Mario Ledermann 2009



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